Schwarze Engel Flums
Chronik 1954 - 1994
 


Gründung der Schwarzen Engel

Jahr 1954
Die einstmals bestehende Flumser Strassenfasnacht existierte praktisch nicht mehr. Das Fasnachtsbrauchtum drohte vollends zu verschwinden. In dieser Notsituation standen 15 wackere Mannen zusammen und taten den Willen kund, diesem Missstand entgegenzutreten. Also beschlossen sie, die alten Fasnachtsbräuche neu und bleibend zu beleben. Mit möglichst kleinem organisatorischem Aufwand glaubten diese Männer etwas Leben und Ordnung in die damals richtungslose Flumser Strassenfasnacht zu bringen. Die Geburtsstunde der Schwarzen Engel hatte geschlagen.

Die Vorbereitungen trafen sie in der Schreinerei von Gantner Franz. Rund um den Leimofen übte man den Marschschritt zu Klängen aus den eigenen Reihen. Das Orchester umfasste nämlich Handorgel, Bass und Trompete für Geübte und Kartoninstrumente für Bemühte. Da eine Pauke weder zur Verfügung stand noch eine solche ausgeliehen werden konnte, stellte sie Gantner Franz kurzerhand aus Pavatex her. Diese und die Cinellas aus Blech gaben dann den nötigen Takt an. Einige wurden zudem beauftragt, kurze Ansprachen oder Reden vorzubereiten.

Am Fasnachtssonntag vom 28. Februar und am darauffolgenden Montag zogen sie hinter ihrem Lautsprecherwagen in Flums von Ort zu Ort. In schwarze Hosen gekleidet und mit Frack und Zylinder bestückt, gaben sie Platzkonzerte.



 

Ihre eingeübten Reden aber hielten sie auf dem Wagen, stramm am Rednerpult stehend - so zum Beispiel "Bahnen und Bähnli". Daneben butzneten sie in einfachen Huttlen und Holzlarven wie früher. Ausserdem verkauften sie selbsthergestellte Keramiklärvli zu je einem Franken. So kamen stolze 670 Franken und 15 Rappen in die noch jungfräuliche Vereinskasse, wovon allerdings gute 270 Franken für Auslagen aufgewendet werden mussten. Allein die Miete der Lautsprecheranlage für welche drei Schwarze Engel Bürgschaft leisten mussten, kostete 45 Franken. Trotzdem ein Erfolg, wo doch überall das Geld knapp war. Das erste Bankbüchlein mit 400 Franken Vortrag wurde somit Tatsache. Später sollte dieses jedoch nochmals für einigen Wirbel sorgen.

Begeisternd und allseitig befriedigend war sie also, diese erste organisierte Flumser Strassenfasnacht und erst noch sauber und anständig.


 

 

Jahr 1955

Mit diesem Jahr kam die erste Bewährungsprobe. Die Mannen rüsteten sich für das Fasnachtsereignis 1955. Unter dem Motto "Die Schwarzen Engel helfen dem Kindergarten" veranstalteten sie einen Wettbewerb. Zu bestimmen galt es das Alter des Clowns Carlo. Mit 50 Rappen war jedermann dabei. Eine Riesenwurst, welche immerhin einen Wert von 15 Franken darstellte, lockte unter anderem als Gewinn. Sie befestigten diese auf einem Kartondeckel, der seinerseits an einer Holzstange montiert am Umzüglein mitgetragen wurde. Dem Kindergarten konnten so stattliche 200 Franken über geben werden. Für die eigene Vereinskasse verkauften sie wiederum Tonlärvli, diesmal noch mit einem Kopftuch verschönert.



 

Sozusagen im Übermut einer noch jungen Gruppe beteiligten sie sich am 14. August 1955 am KIGA - Umzug (Kindergarten-Umzug). Dieses Datum ist insofern von Bedeutung, weil sie an dieser Veranstaltung die Gelegenheit wahr nahmen, stolz eine Fahre der Schwarzen Engel mit sich zu führen.
 

 

Jahr 1956

Schon recht früh begannen die Schwarzen Engel mit den Vorarbeiten der diesjährigen Fasnacht. Am 12. Januar 1956 reichten sie nämlich dem Gemeinderat ein Gesuch ein. Es sei die Bewilligung zu erteilen, den mitten auf dem Postplatz stehenden Birnbaum durch die Schwarzen Engel fällen und beseitigen zu lassen. Als Gegenleistung sei man bereit, an einem von der Gemeinde zu bestimmenden Ort einen neuen Baum zu pflanzen. Nach langem hin und her wurde schliesslich die gewünschte Bewilligung erteilt.

Vor vielen begeisterten Zuschauern liessen die Schwarzen Engel am Fasnachtssonntag den Worten Taten folgen. Der Birnbaum wurde fachmännisch und mit dem üblichen Drum und Dran ins Reich des ewigen Holzes überführt (Anmerkung: Der Baum Birnbaum mit Todesurteil hätte ohnehin gefällt werden müssen).

Gleichentags transportierten die Schwarzen Engel auf einem Lastwagen eine vier Meter hohe Gipsfigur an. Sie stellte die Justitia mit der Waage in der Hand dar und wurde mitten auf dem Postplatz aufgestellt und erst vor Ostern wieder entfernt.



 

Die Figur sollte Symbol für den Streit sein, der wegen den geplanten Neubauten des Waffenplatzes und des Spitals zwischen Flums und Walenstadt ausgebrochen war. Der grosse Beifall bestätigte die gelungene Idee und war Lohn für die enorme Arbeit der Fasnächtler.

Auch in diesem Jahr verkauften die Schwarzen Engel selbstgemachte Abzeichen. Diesmal waren es handbedruckte Tüchlein, gedacht als "Boschettli".

Noch ein weiteres Kapitel schrieben die Schwarzen Engel an dieser Fasnacht Nachdem seit Jahren wegen ewigen Streitereien und auch Gerichtssachen im Sarganserland keine Fasnachtszeitungen mehr erschienen, entschlossen sie sich, eine solche Geburt wieder zu riskieren. Unter dem Namen "D'Hächlä" bestimmt für Flums, Mels und Walenstadt, erschien am Sonntag die erste Nummer mit einer Auflage von 400 Exemplaren Innert kurzer Zeit wurden alle Zeitungen verkauft. Sowohl der Mann auf der Strasse als auch die Schreiberlinge waren zufrieden. Wohl bekomm's!
 

Jahr 1957

Noch früher als sonst trafen die Schwarzen Engel die Vorbereitungen für das diesjährige Fasnachtsereignis. Noch im alten Jahr begannen sie mit der Mast eines Schweines. Dann, am 11. Februar 1957, wurde das Ergebnis ihrer Bemühungen auf der Waage augenfällig. Der Waagschein bestätigte gute 66 Kilogramm Lebendgewicht. Dieser Schein rückte später aber noch einmal ins Rampenlicht. Die Anfragen der Schwarzen Engel zur Benützung des gemeinde eigenen Suppenkessels wurde positiv beantwortet. Demzufolge spiesste man das zuvor gesottene Schwein auf und zog mit ihm am 3. März quer durch Flums.



 

An Ort und Stelle wurde dann das Schwein zerlegt und stückweise an die zahlreichen Zuschauer verkauft. Für die Kinder gab es Wurst und Brot, gratis, wie es sich gehört.

Die Schwarzen Engel waren als Neger verkleidet und selbstverständlich mit den nötigen Blechtrommeln ausgerüstet. Zwischendurch hielt man still und verlas gewisse Texte. Diese sagten die blühende industrielle Zukunft von Flums in den buntesten Farben und in blühender Phantasie voraus. Ausserdem veräusserten sie selbstgegossene Abzeichen aus Blei und brachten die zweite Auflage der "D'Hächla" zum Verkauf Ende gut, alles gut  könnte man meinen.

In der zweiten Jahreshälfte machten sich Unstimmigkeiten bemerkbar. Was seit eh und je selbstverständlich war, schien plötzlich nicht mehr zu gelten. Gemeint ist die Zusammengehörigkeit der Schwarzen Engel unter dem Mantel einer Gemeinschaft, bei der Treu und Glauben oberstes Gebot war. So bildeten sich innerhalb der eigenen Reihen kleine Gruppen. Ideen und Einfallsreichtum ist halt nicht jedermanns Sache. Und so kam es, wie es kommen musste. Am 18. September 1957 wurde kurzfristig und bis dato zur ersten Hauptversammlung der Schwarzen Engel eingeladen. 9 von 15 Mitglieder nahmen daran teil. Als Tagespräsident amtete Fritz Suter und als dessen Aktuar Alois Stählt Der bisherige Kassaführer Hugo Reichlin nahm an diesem Anlass nicht teil. Dies gab einen besonderen Grund zur Diskussion. Laut Protokoll palaverte man heftig über die Auflösung der Schwarzen Engel, was dann in der Folge nach gestelltem Antrag auch beschlossen wurde. Das Vermögen sollte nach der Dauer der Zugehörigkeit zum Verein an die Mitglieder aufgeteilt und ausbezahlt werden. Da der Kassaführer nicht anwesend war, hatte man keine Kenntnisse über die Vermögensverhältnisse. Deshalb gipfelte die Versammlung gar in der Bevollmächtigung von Paul Manhart, Re und Franz Aschwanden zur gerichtlichen Ahndung des Säckelmeisters, im Falle dessen Einsichtsverweigerung ins Kassawesen_ Am 21_ September 1957 erwirkte Paul Manhart dann auch vom Bezirksgerichtspräsidenten Paul Good mittels eines Amtsbefehls die Herausgabe aller Kassabüchlein und die Sperrung der Bankguthaben. Hugo Reichlin nahm die Aufforderung zur Stellungnahme wahr. Aufgrund dieser Rückäusserung und der Richtigstellung der Sachlage stellte der Bezirksgerichtspräsident am 6.. Dezember 1957 die Makellosigkeit der Kassa und der Geschäftsführung fest.



 

Die beige brachten Beweismittel, wie auch der Waagschein des Schweines (Umzug 1957), liessen keinerlei Zweifel an der Richtigkeit mehr offen. An dieser Sitzung nahmen ausser Hugo Reichlin auch noch Fritz Suter und Franz Aschwanden teil. Wie an der Verhandlung vereinbart, wurde darauf das Vermögen nach besagtem Schlüssel aufgeteilt, die Auszahlung aber auf das neue Jahr verschoben.
 

Jahr 1958

Nach den unverständlichen und bedauernswerten Ereignissen des vergangenen Jahres wurde der letzte Akt zur vermeintlichen Auflösung der Schwarzen Engel eingeläutet. Im Titel eines Unterschriftsbogens war von der Auflösung der Gesellschaft, gemeint die Schwarzen Engel, die Rede. Das war aber nicht im Sinne von Hugo Reichlin und einigen anderen Mitgliedern. Des halb musste Fritz Suter eine Erklärung unterschreiben.

Am 2. Februar 1958 übernahm Fritz Suter von Hugo Reichlin gegen Quittung 467 Franken und 50 Rappen für die Auszahlung der scheidenden 11 Mitglieder.



 

Für die nächsten Jahre bedeutete dies ein Kochen auf Sparflamme in der Fasnachtstätigkeit, nicht aber das Begräbnis der Schwarzen Engel.